30. November 2023 Viennabase: Erstes Wiener Kommunalunternehmen mit Gemeinwohlbilanz 

Die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung wächst seit 2010 national und international. Immer mehr Unternehmen und Kommunen schließen sich ihr an. Die base – homes for students GmbH, ein Unternehmen der WSE Standortentwicklung und der Wien Holding, betreibt unter der Dachmarke Viennabase mehrere gemeinnützige Studierendenheime in Wien. Nun hat Viennabase als erstes kommunales Unternehmen in Wien eine Gemeinwohlbilanz erstellt.

„Wirtschaften mit Werten“ ist in Wien präsent. Wien hat die höchste Lebensqualität, gilt als sichere Stadt und als Sozial- und Kulturhauptstadt. Seit 2012 fördert die Stadt Wien über das Programm OekoBusinessWien die Gemeinwohl-Ökonomie-Bilanzierung von Unternehmen. Nun ist der gemeinnützige Studierendenheimbetreiber Viennabase als Pilot der Stadt Wien bei der Gemeinwohlbilanzierung vorangegangen und hat im Juni 2023 sein erstes Gemeinwohlbilanz-Audit erfolgreich abgeschlossen. Die konsequente Orientierung am Gemeinwohl zeigt sich in der Mission von Viennabase: Leistbares Wohnen ausschließlich nach dem Kostendeckungsprinzip, Chancengleichheit für alle, Förderung von Kunst und Kultur sowie Natur- und Tierschutz sind nur einige Punkte des gemeinwohlorientierten Engagements.

60 Jahre Viennabase

Kürzlich feierte Viennabase seinen 60. Geburtstag. Wien zog als Bildungs- und Wissensmetropole bereits in den 50er-Jahren Studierende aus dem In- und Ausland an. Damals herrschte ein außerordentlicher Mangel an studentischem Wohnraum. Es war daher ein denkwürdiger Tag, als der Wiener Gemeinderat am 21. April 1961 beschloss, ein neues Heim für die in Wien lebenden Studierenden zu errichten. 1963 konnte das erste Haus in Döbling eröffnet werden. Heute sind mehr als 200.000 Studierende an den Wiener Universitäten und Fachhochschulen inskribiert, und Viennabase beherbergt in vier Studierendenheimen jährlich rund 2.700 Studierende.

Gemeinnützige Erfolgsgeschichte

Seit nunmehr 60 Jahren engagiert sich Viennabase für leistbares studentisches Wohnen in Wien. Besonders beliebt sind die Wohnplätze auch bei Studierenden aus den Bundesländern. Möglich wurde diese Erfolgsgeschichte durch eine Preisgestaltung, die ausschließlich nach dem Kostendeckungsprinzip funktioniert, und durch einen äußerst effizienten Mitteleinsatz. Es wird nur das ausgegeben, was auch eingenommen wird. Für die Erweiterung und Verbesserung des Service für die Bewohner*innen wird darüber hinaus versucht, eine Form der Realisierung zu finden, die mit möglichst wenig direkten Kosten einhergeht. So betreiben externe Firmen in Kooperation Getränkeautomaten, Drucker und Scanner, Fahrradverleih und vieles mehr.

„Gerade für gemeinnützige Organisationen ist dieses Konzept mit seiner starken Werteorientierung sehr gut geeignet. Denn gemeinwohlorientierte Werte bilden auch die DNA des Unternehmens und sind sowohl in der Ansprache neuer Bewohner*innen als auch im Hinblick auf die Mitarbeiter*innen von großer Bedeutung. Die Gemeinwohl-Bilanz ist eine gute Möglichkeit, einen ganzheitlichen Blick auf neue Chancen, Mehrwerte und Potenziale zu bekommen und gleichzeitig transparent zu machen, was bereits an guten Maßnahmen umgesetzt wird“, so Wien Holding-Geschäftsführerin Sigrid Oblak.

Erst im Oktober wurde Viennabase in der Kategorie „Leistbares Wohnen“ bei den diesjährigen Best in Class Awards nominiert, bei denen seit 2016 jährlich die besten Studierendenheime und -Betreiber Europas ausgezeichnet werden.

Instrument zur Unternehmensentwicklung

Viennabase nutzt die Gemeinwohlbilanz, um die Organisation Schritt für Schritt weiterzuentwickeln und die Nachhaltigkeitsbilanz des Unternehmens durch konkrete Maßnahmen zu verbessern. Ein gutes Leben zu ermöglichen ist nicht nur das Motto, das man den Bewohner*innen bieten möchte, sondern wird auch gegenüber den Lieferant*innen als wichtig erachtet. Im Rahmen der Gemeinwohl-Bilanzierung wurde erstmals ein genauerer Blick auf die Lieferkette geworfen. Die sorgfältige Auswahl und der faire Umgang mit den Lieferant*innen fließen in die Beschaffungsrichtlinien des Unternehmens sowie in die Vertragsgestaltung mit den Lieferant*innen ein.

„Wir sind stolz darauf, das erste kommunale Wiener Unternehmen zu sein, das nach der Gemeinwohlökonomie bilanziert. Bereits bei der ersten Gemeinwohlbilanz haben wir 413 Punkte erreicht und damit die gesetzlichen Vorgaben um 41,3 Prozent übertroffen. Das zeigt, dass wir viele Aspekte, vor allem im sozialen Bereich, schon seit Jahren leben und es uns ein großes Anliegen ist, einen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. Diese positiven Erfahrungen wollen wir nun mit anderen teilen“, so Alexandra Radl-Hanzal, Geschäftsführerin von Viennabase.

„Die Gemeinwohlbilanz stärkt auch die eigene Marke und Markenkommunikation bei bestehenden und zukünftigen Mitarbeiter*innen, denn Haltung und Werte sind heute wichtig für die Arbeitgeberattraktivität. Sie tragen zur Stärkung des Mitarbeiter*innen-Engagements und zur Mitarbeiter*innen-Gewinnung bei. Bei Viennabase finden junge Fachkräfte eine gemeinwohlorientierte, sinnstiftende Aufgabe und genügend Freiraum für die Umsetzung neuer Ideen und Herzensprojekte. Darüber hinaus bieten wir zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten, Gesundheitsförderung und soziale Aktivitäten“, ergänzt Viennabase-Geschäftsführer Thomas Lebinger.

Für die Studierenden ist die Gemeinnützigkeit nicht nur wegen der günstigeren Wohnpreise interessant, auch die gute Atmosphäre, die in den Häusern spürbar ist, stößt auf große Resonanz. Auf dem Gelände der Häuser gibt es zahlreiche nachhaltige Angebote wie Bienenstöcke, eine Wildblumenwiese und Hochbeete. Auch Fahrräder, Roller und ein E-Carsharing stehen zur Verfügung. Bei Erweiterungen oder Sanierungen setzt die Viennabase auf nachhaltige Energieversorgung. In den einzelnen Studierendenheimen der Viennabase wurden auch wieder Heimleiter*innen vor Ort verankert. Das Insourcing, auch im Bereich der haustechnischen Dienstleistungen, führte zu mehr Serviceorientierung und einem kundennäheren Angebot für die Bewohner*innen. Durch die dezentralen Heimleitungen können Veränderungen auch direkter herbeigeführt werden. Gerade im Bereich der Nachhaltigkeit hat sich dies bewährt. Die Mülltrennung funktioniert und das Bewusstsein für „ökologisches Verhalten“ bei den Bewohner*innen nimmt zu.

Viennabase erfüllt nachhaltig die zentrale Aufgabe, leistbaren Wohnraum für Studierende in Wien zur Verfügung zu stellen und trägt damit zur Attraktivität des Standortes Wien und der Wiener Universitäten für Studierende aus anderen Bundesländern und dem Ausland bei. Die Gemeinwohlbilanz wird künftig alle zwei Jahre erneuert.

Über die Gemeinwohl-Ökonomie

Die international agierende Gemeinwohl-Ökonomie-Initiative nahm 2010 von Österreich ihren Anfang. Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist ein alternatives Wirtschaftsmodell, in dem das „gute Leben” für alle das oberste Ziel ist. Die GWÖ basiert auf folgenden Grundwerten: Menschenwürde, ökologische Nachhaltigkeit, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, Mitentscheidung und Transparenz. Die Gemeinwohl-Bilanz, das Herzstück der Gemeinwohl- Ökonomie, dient sowohl als Spiegel als auch als Kompass: Unternehmen können mit dem umfassenden Instrument der Matrix und dem eigenen ganzheitlichen Bericht die ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit erfassen. Die Gemeinwohl-Bilanz dokumentiert anhand der Matrix die Stärken Ihres Unternehmens und zeigt nächste Ziele mit allen Berührungsgruppen/Stakeholder*innen auf dem Weg zum Gemeinwohl auf.

Die Initiative umfasst weltweit derzeit rund 5.000 Mitglieder in über 170 Regionalgruppen, mehr als 1.000 bilanzierte Unternehmen, Organisationen und Kommunen, die die Vision der Gemeinwohl-Ökonomie verbreiten, umsetzen und weiterentwickeln.

austria.ecogood.org

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